ANHANG:

A) Sexualpädagogisches Konzept

 

Kindliche Sexualität A) Definition:

 

In den ersten Lebensjahren steht das Erfahren von körperlicher Nähe, sinnliche Erfahrungen,  Geborgenheit, Zärtlichkeit und die Lust am Entdecken des eigenen Körpers im Vordergrund. Daraus entwickeln die Kinder ihre eigene ganzheitliche Identität. Im Kindergartenalter setzen sie sich verstärkt mit ihrem eigenen Körper auseinander. Ihnen wird zunehmend bewusst, dass sie Junge oder Mädchen sind. Kinder gehen dabei ihrer Entdeckungslust und der spielerischen Neugier nach. Dieses Verhalten ist mit der erwachsenen Sexualität nicht vergleichbar. Gesellschaftliche Sexualnormen und Schamgrenzen entwickeln sie erst im  Laufe der Kindheit. B) Grundhaltung:

 

Wir möchten die Kinder auch in diesem Bereich kindlicher Entwicklung achtsam begleiten. In einer vertrauensvollen und wertschätzenden Atmosphäre kann sich ihr positives Körpergefühl entfalten.  Wir gehen auf Kinderfragen zu diesem Thema ein. Nach Bedarf bieten wir zusätzlich Aufklärungsmaterial an.

 

Im Kindergartenalltag begegnen uns unterschiedlichste Situationen kindlicher Sexualität:  

 

Gemeinsames Pullern im Wald, um sich gegenseitig zu beobachten

 

Spielen an den Geschlechtsteilen unter der Decke

 

Ich bin so verliebt in… Suchen nach Geborgenheit sich gegenseitig küssen Schmusen mit Kuscheltieren

 

„Doktorspiele“ als Facette von Körpererkundungen

 

Benennen von Geschlechtsteilen

 

Toilettengänge sind ein besonders sensibler Bereich. Im Kindergartenalter beginnt sich das vom individuellen Umfeld geprägte Schamgefühl zu entwickeln. Dieses wird von uns respektiert.

 

C) Regeln im Umgang mit Körpererfahrungen:

 

Jedes Kind entscheidet über seinen Körper selbst. Wir begleiten es dabei, sein eigenes Körperempfinden wahr zunehmen und eigene Entscheidungen zu treffen. Dazu zählen Situationen wie: Nähe-Distanz, warm-kalt-Empfindungen sowie das Erspüren des eigenen Ruhebedürfnisses z.B. während der Mittagspause.

 

Aufklärung/Vokabular:  Wir sind offen für die Fragen der Kinder und beantworten sie kindgerecht.  Sexuelle Grenzüberschreitungen fangen mit verbalen Ausdrücken an, deswegen  achten wir auf einen sprachlich respektvollen Umgang miteinander.

 

Grenzen setzen: Die Kinder lernen ihre eigenen Grenzen zu benennen und die der anderen zu  erkennen. Ein NEIN/STOP muss von anderen akzeptiert werden, dabei werden sie von uns unterstützt.

 

Toilettengänge: Jedes Kind entscheidet selbst, ob es allein oder miteinander an den Baum (im Wald) bzw. auf die Toilette (in der Schutzhütte) „pullern“ geht. Der Wald ist ein öffentlicher Raum und deshalb benötigenden die Kinder besonderen Schutz. Wir unterstützen die Kinder dabei, ein Gefühl für ihre Privatsphäre zu entwickeln. Ungewollte Blicke werden nach Möglichkeit durch die ErzieherInnen verhindert.

 

Selbsterkundung (Selbstbefriedigung): Wir erleben im Alltag, dass Kinder mit ihrem eigenen Körper auf Selbsterkundung gehen. Diese Erfahrungen sind für die Kinder schön und verursachen angenehme Gefühle. Sie brauchen dafür einen geschützten Ort, wie zum Beispiel unter der Decke in der Mittagspause oder in den Tücherhöhlen im Wald (siehe Fremderkundung). Wir achten darauf, dass niemand dadurch gestört wird und führen die Kinder dahin, dass sie dies auch selbst erkennen. Wichtige Regeln sind dabei u.a.: Niemand steckt einem anderen Kind etwas in eine Körperöffnung. 

 

Fremderkundung (umgangssprachlich „Doktorspiele“): Jedes Mädchen oder jeder Junge entscheidet selbst, mit wem es auf körperliche Entdeckungsreise gehen möchte.  Wir achten darauf, dass möglichst Kinder gleichen Alters/Entwicklungsstand ihren Körper gemeinsam erforschen. 

 

Diese Erfahrungen brauchen Intimität. Bei Bedarf können sich die Kinder im Wald aus Tüchern geschützte Höhlen bauen.  Wir werden uns immer wieder rückversichern, dass es dabei allen Beteiligten gut geht.

 

Wichtige Regeln sind dabei u.a.: Kinder streicheln und untersuchen einander nur so viel, wie es für alle Beteiligten schön ist

 

Niemand darf einem anderen Kind  wehtun.

 

Niemand steckt einem anderen Kind etwas in eine Körperöffnung. 

 

Wenn Grenzen nicht gewahrt werden, können sich die Kinder sicher sein, dass wir ihnen helfen.

 

Prävention sexueller Gewalt: 

 

1.     Umgang mit den betroffenen Kind

 

2.     Umgang mit den übergriffigen Kind

 

3.     Gespräche mit Eltern

 

4.     Themen in der Kindergruppe

 

Nur wenn Kinder fachliche Begriffe für Körperteile kennen, können sie von Übergriffen erzählen. Kinder können sich jederzeit Hilfe holen. Wir möchten die Kinder nicht beschämen, wenn sie sich von uns Hilfe holen. Wir haben eine große Offenheit den Kindern gegenüber bezugnehmend auf das Thema.

 

Bei Übergriffen: Im ersten Moment kümmern wir uns um das betroffene Kind. Was brauchst Du? Wir signalisieren dem Kind, das wir ihm Schutz bieten. Übergriffe werden immer ernst genommen. Wir glauben den Erzählungen jedes Kindes. Danach arbeiten wir mit dem übergriffigen Kind. Dabei geht es darum, nicht zu fragen, was es gemacht, sondern wir stellen fest, dass das Kind eine bestimmte Tat ausgeübt hat. Es werden die Regeln im Kindergarten erläutert (“Hier wird so etwas nicht gemacht!. Wenn Dir so etwas passieren würde, würden wir Dir auch helfen”).

 

Danach folgen Konsequenzen für das übergriffige Kind, die realistisch sind. Es passieren manchmal auch Übergriffe im Überschwang, die aber für das Opfer vom Ergebnis her das gleiche sind und auch einer Konsequenz bedürfen.

 

Alles, was beobachtet wird, wird im Kollegium und mit beiden Elternpaaren besprochen. Situationen können je nach Besorgniserregung schriftlich festgehalten werden. Den Eltern muss signalisiert werden, wie man für den Schutz des betroffenen Kindes sorgt. Kindliche Sexualität ist eine positive ganzheitliche Lebenserfahrung. Beim Ausprobieren kann es auch zu Grenzverletzungen kommen.

 

  Ein sexueller Übergriff unter Kindern liegt dann vor, wenn sexuelle Handlungen durch das   übergriffige Kind erzwungen werden bzw. das betroffene Kind sie unfreiwillig duldet oder   sich unfreiwillig daran beteiligt. Häufig wird dabei ein Machtgefälle zwischen den    beteiligten übergriffigen und betroffenen Kindern ausgenutzt, in dem z.B. durch      Versprechungen, Anerkennung, Drohungen oder körperliche Gewalt ausgeübt wird

 

  (siehe Ulli Freund, Dagmar Riedel- Breidenstein: Sexuelle Übergriffe unter Kindern).